Das Henne-oder-Ei-Problem beim ADHS
Ein kurzer Blick auf die Chemie im Gehirn: Dopamin ist ein belohnend wirkender Botenstoff, der ausgeschüttet wird, wenn eine Person etwas Interessantes erwartet. Dopamin hilft dabei die Aufmerksamkeit und den Fokus zu halten. Bei Menschen mit ADHS wird das ausgeschüttete Dopamin schnell wieder aus dem synaptischen Spalt zurück in die Nervenzellen transportiert. Ihnen wird langweilig und sie schweifen ab. Um die Aufmerksamkeit länger halten zu können, schütten sie Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, die den Abtransport von Dopamin verlangsamen.
Das Zusammenspiel von Dopamin und Stresshormonen bei ADHS
Der Preis für die Konzentration ist dann ein hoher Stresshormonspiegel, der natürlich ebenfalls Folgen hat.
Viele Menschen mit ADHS suchen stressreiche Situationen auf, um klarer denken zu können. Sie lieben Hobbys mit Gefahrenpotential, erledigen Aufgaben stets auf den letzten Drücker, suchen Konflikte etc., um den Dopaminspiegel hoch zu halten.
Bei manchen Menschen mit ADHS hat das Gehirn schon gelernt, dass ein gewisser Stresslevel gut für die Konzentration ist. Stresshormone werden dann ohne äußeren Anlass, einfach routinemäßig, ausgeschüttet. Da Stressempfinden zunächst meist eine Außenorientierung auslöst, um herauszufinden, welche Gefahr denn gerade besteht, richten ADHS-ler ihre Aufmerksamkeit auf die Umwelt und suchen nach Gründen für den Stress. Dabei kommt es dann oft zu Ankerprozessen und immer neue Trigger entstehen, die dann selbst zu Stressauslösern werden.
Eine problematische Spirale entsteht, in der immer mehr Stresshormone ausgeschüttet werden, bis das System überlastet ist und zusammenbricht.
Die Überflutung mit Stresshormonen hat wiederum psychische sowie körperliche Folgen… Die Liste der Komorbiditäten (gleichzeitig mit ADHS auftretende Krankheiten) ist lang. Deshalb ist eine der wichtigsten Erkenntnisse für Menschen mit ADHS, dass sie dann mit NLP-Methoden Erfolge erzielen können, wenn sie damit aufhören, ihre Probleme im Außen zu suchen. Es geht vielmehr darum Einfluss auf grundsätzliche Verarbeitungsmechanismen im Gehirn zu gewinnen, die an der Ausschüttung von Stresshormonen beteiligt sind. Das ist weit weniger spektakulär als Ursachenforschung. Deshalb dauert es auch meist etwas länger, bis Menschen mit ADHS sich darauf einlassen, Wert auf die einfachen und kleinen Dinge mit letztendlich großer Wirkung zu legen.
Zu den einfachen Dingen gehören Assoziation in der Gegenwart, dissoziiertes Betrachten von Erinnerungen und Plänen, nur absichtliche Zeitreisen mit Ende im Hier und Jetzt, Fühlen nicht nur denken, Auflösen von Verneinungen, weg von den Extremen – hin zu einem Spektrum von feinen Unterschieden, Zielorientierung anstelle von Flucht, Teekesselchen im passenden Kontext definieren, Anpassung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, klare Grenzen zwischen Verarbeitungsvorgängen, etc…. und vor allem ... Dranbleiben, auch wenn mal was schiefgeht.
